NÖ-IMKERVERBAND

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IM Ing. Christian Schmid
Referent für Gesundheit
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Den Gesundheitsbericht 2018 finden Sie im Anhang.

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Der Bericht des Gesundheitsreferenten kann hier im pdf-Format heruntergeladen werden.

Das Jahr 2016


Ab Herbst 2015 wenig Völkerverluste, die Winterverluste 2015/2016 lt. Brodschneider , UNI Graz in Österreich ca. 8,2 %. NÖ ca.11 %.
Im Frühjahr 2016 wenig Varroa, ab Juni einzelne stark befallene Völker
Juli und August erste Ausfälle. In einigen Gebieten von NÖ war eine gute Waldtracht, zuerst Große Lecanie, dann bis zur Schlechtwetterperiode im Juli Kleine Lecanie. Nach der Schlechtwetterperiode gab es gebietsweise Melizitosetracht bis Anfang Oktober. Dabei wurde von vielen Imkern die „Schwarzsucht“ bemerkt.
Schwarzsucht ist an und für sich keine Krankheit sondern nur die Bezeichnung für Bienen ohne oder mit schütternem Haarkleid, die dadurch schwarz aussehen.
Die „Schwarzsucht“ kann verschiedene Ursachen haben:
Räuberei, alte Bienen, Waldtracht oder Kürbistracht. In diesen vier Fällen verschwinden die „schwarzen Bienen“ wieder, wenn die Ursache wegfällt. Wenn aber die Bienen verschwinden und die Beute bienenleer ist, ist meist das Chronische Bienenparalyse Virus (CBPV) daran schuld.
Da in der Homepage der AGES nichts über Viren berichtet wird, halte ich es für notwendig, wenigstens in Stichworten darüber zu berichten.

Chronisches Bienenparalyse Virus

Das CBPV schädigt erwachsene Bienen, infizierte Bienen sterben binnen 5-8 Tagen.
Symptome: flugunfähige, vor dem Flugloch krabbelnde, auffällig zitternde Bienen, aufgeblähter Hinterleib, auffälliges Abkoten zum Teil auch im Stock, „Schwarzsucht“, abstehende Flügel, oft auffällig asymmetrisch, im Gemülle herumliegende Bienenflügel, verkürzter Hinterleib (kürzer als die Flügel).
Die Verbreitung des Virus kann auch gänzlich ohne Varroamilbe erfolgen, da der Kot Unmengen an Viruspartikeln enthält. Werden diese von den Putzbienen entfernt, infizieren sie sich und geben diese Viren als Ammenbienen weiter, sofern sie überhaupt diesen Arbeitsbereich erleben.

Flügeldeformationsvirus

Beim DWV kann die Infektion in jedem Entwicklungsstadium (Ei, Larve, Puppe, erwachsene Biene) erfolgen. Die Viruspartikel können entweder durch die Königin direkt über das Ei oder durch infizierte Drohnen über den gespeicherten Samen oder durch Ammenbienen über das Futter an die Larven weitergegeben werden. Bei diesen drei Varianten ist das Symptom der verkrüppelten Flügel nicht sichtbar, ob die Bienen trotzdem eine verkürzte Lebensdauer haben, wurde anscheinend noch nicht eindeutig erforscht.
Wird das DWV allerdings in der Varroamilbe vermehrt und an Puppen weitergegeben, sind die verkrüppelten Flügel zu sehen. Solche Bienen werden von den Arbeiterinnen im Stock nicht geduldet und ähnlich wie bei der Drohnenschlacht aus dem Stock gezerrt. Solche Bienen mit verkrüppelten Flügeln und einem kurzen Hinterleib liegen dann vor dem Flugloch. Sind die verkrüppelten Bienen schon im Stock sichtbar, ist die Abwehr bereits zusammengebrochen und eine Behandlung mit Wirkstoff Ameisensäure gegen die Varroamilbe ist wirkungslos. Ist das Volk noch stark genug, alle Brutwaben entnehmen, Honigraum heruntergeben und mit einem geeigneten und genehmigten anderen Mittel behandeln.
Oft sind die Symptome vermischt, das heißt verkrüppelte Flügel und „Schwarzsucht“. In diesem Fall ist es fast immer besser, das Volk abzutöten, um weitere Ausbreitung zu verhindern.

Da Viruserkrankungen direkt nicht zu bekämpfen sind, kann nur empfohlen werden, den Varroadruck möglichst gering zu halten (DWV) und keine Waben oder Futter von abgestorbenen Bienenvölkern an andere Völker weiterzugeben, egal ob die Waben zugehängt werden oder das Futter durch Räuberei geholt wird.

Völkervermehrung und Königinnenzucht möglichst zur natürlichen Vermehrungszeit (nach der Raps- bzw. Kirschblüte), da zu dieser Zeit die wenigsten infizierten Drohnen unterwegs sind. Außerdem kann ein Ableger, sofern er nicht zur Honiggewinnung verwendet wird, jederzeit gegen Varroa behandelt werden.

Aufgrund der Melizitosetracht werden im Frühjahr vor allem schattige Überwinterungsplätze ein Problem sein. Restentmilbung möglichst in brutfreier Zeit. Da die meisten Völker schwach in den Winter gegangen sind, rechne ich mit hohen Völkerverlusten im kommenden Winter.

Sollte irgendwo Faulbrut auftreten, bitte unbedingt dem Sachverständigen eine vollständige Liste der im Sperrgebiet stehenden Bienenvölker übergeben, da sich am Anfang sicher noch nicht alle Imker registriert haben und gerade Imker, die eine Registrierung für nicht notwendig halten, ein erhöhtes Faulbrutrisiko darstellen.

Gesundheitsbericht 2014

Das Bienenjahr allgemein

Positiv war eine relativ hohe Anzahl der ausgewinterten Völker, diese waren Anfang März auch noch eher stark. Da aber durch den milden Winter nicht nur die Bienen sondern auch die Milben gute Überwinterungsbedingen hatten (es war praktisch keine brutfreie Zeit außer vielleicht in exponierten Gebieten), war die Ausgangspopulation an Milben sehr hoch.

Ab Ende März passte aber dann so gut wie gar nichts mehr, sodass zur Zeit der Frühjahrsentwicklung die Völker teilweise durch Futtermangel die Brut einschränkten und statt stärker nur schwächer wurden. Außer in Gebieten mit Lindentracht oder Klee- bzw. Alternativkulturen vegetierten die Bienen so dahin. Durch diesen ständigen Stress wurden natürlich sämtliche Krankheiten und Parasiten begünstigt.

Varroabehandlung

Ist weiterhin das zentrale Thema in der Imkerei. Vor allem durch die Übertragung von Viruskrankheiten (DWV) führt schon eine wesentlich niedrigere Population an Varroamilben zum Kollaps der Völker und breitet sich binnen weniger Tagen auf den ganzen Stand aus. Die Früherkennung eines erhöhten Milbenbestandes ist daher das wesentlichste bei der Bekämpfung der Varroamilbe, wenn erste verkrüppelte Bienen zu sehen sind, ist das Volk meist nicht mehr zu retten. Wer mit den empfohlenen Methoden zur Feststellung der Milben im Volk (Staubzuckermethode, Bodenwindel mit Gitter) nicht zurechtkommt, sollte wenigstens verdeckelte Drohnenbrut auseinanderbrechen, wenn im Mai auf 20 Drohnenmaden mehr als 1 Milbe zu finden ist, wird man wahrscheinlich nicht bis Trachtende und damit der Hauptentmilbung durchkommen. Heuer wäre es in den meisten Fällen notwendig gewesen, entweder vor Trachtbeginn oder nach der ersten Frühjahrestracht eine Not-Milbenbekämpfung mit einem Mittel, das in die Brut wirkt (Ameisensäure) durchzuführen. Leider war kein zugelassenes Mittel vorhanden.

Durch den hohen Varroadruck hat es in vielen Gebieten bereits im Juli Völkerzusammenbrüche gegeben. Das zeigt sich am Anfang durch Raufereien am Flugloch, dann wird das Volk ausgeraubt. Dadurch werden die virusinfizierten Milben in das nächste Volk getragen und dieses stirbt ebenfalls ab, das heißt es ist bienenleer, noch bevor die letzte Brut ausgeschlüpft ist. Zieht man steckengebliebene Bienen aus den Zellen, haben diese meist verkrüppelte Flügel oder wenigstens einen verkürzten Hinterleib. Heuer war vor allem das Problem mit der Reinfektion, das heißt auch bei gutem Behandlungserfolg waren innerhalb eines Monates wieder enorme Varroapopulationen und ab Mitte August hat leider heuer durch die feuchte Witterung eine Behandlung mit Ameisensäure nicht mehr optimal gewirkt.

Die derzeit zugelassenen Varroabekämpfungsmittel sind auf der Homepage der AGES abzufragen.

Faulbrut

Bei Faulbrut ist besonders wichtig, dass im Falle des Auftretens sofort Meldung bei der Behörde (BH oder Magistrat) erstattet wird. Aus gegebenem Anlass wird darauf hingewiesen, dass wenn die Anzeige nicht oder nicht rechtzeitig erstattet wird, dies mit einer Geldstrafe von bis zu € 4.360,00 bestraft werden kann. Das gleiche Strafausmaß gilt, wenn jemand den Sachverständigen den Zutritt zum Bienenstand verweigert oder Bienen aus einem Faulbrutsperrgebiet ohne behördliche Bewilligung ausbringt oder Bienen zukauft und in einem bestehenden Sperrgebiet aufstellt.

Bei Verschleppen der Faulbrut über mehrere Jahre ist meist das ganze Gebiet verseucht, was sich leider heuer im Bezirk Zwettl in sehr drastischer Weise gezeigt hat. In diesem Zusammenhang muss noch darauf hingewiesen werden, dass Räuberei die Ausbreitung von Bienenkrankheiten beschleunigt. Jeder Imker ist lt. Gesetz verpflichtet, Räuberei zu unterbinden, das heißt der Besitzer von Bienenvölkern, die ausgeraubt werden, hat diese auf die Ursachen zu untersuchen oder für den Fall, dass er dazu nicht sachkundig genug ist, jemanden beizuziehen, der dazu befähigt ist. Beraubte Völker sind sofort zu verschließen und an einen bienendichten Ort zu bringen (Kellerhaft mit ausreichendem Lüftungsgitter am Boden oder Deckel), wenn sie sich beruhigt haben und das Volk noch intakt ist, kann es nach einigen Tagen wieder aufgestellt werden. Meist ist ein beraubtes Volk aber abzuschwefeln, weil die große Menge Bienen, die im Volk sind, meist Räuberbienen sind. Leider kommt es auch vor, dass ganze zusammengebrochene Faulbrutvölker offen stehengelassen werden oder Faulbrutwaben zum Ausschlecken an die Bienenhütte genagelt werden. Derartige Gesetzesübertretungen sollten eigentlich von den zuständigen Behörden (BH, Magistrat) von Amts wegen angezeigt werden, ist dies nicht der Fall, werden in Zukunft geschädigte Imker selbst Anzeige erstatten müssen. Wenn, wie es leider im Bezirk Zwettl der Fall war, Völker durch Varroa- bzw. Virusschäden zusammenbrechen und noch dazu Amerikanische Faulbrut haben und nicht rechtzeitig bei Räuberei bienendicht verschlossen werden, kommt es eben zu einer katastrophalen Ausbreitung beider Krankheiten.

Ich ersuche daher alle Imker, vor allem vor trachtlosen Zeiten (im Zuge der Frühjahresrevision oder vor der Sommerbehandlung nach dem Abschleudern) die Bienenvölker auf Krankheiten zu kontrollieren. Lückenhaftes Brutnest ist immer ein Anzeichen von Bienenkrankheiten, ob es sich dabei um Amerikanische Faulbrut, europäische Faulbrut (die übrigens ebenfalls in einigen Fällen in NÖ nachweisbar war), Kalkbrut oder Varroaschäden handelt, zeigt erst eine genauere Untersuchung. Jeder Imker sollte in der Lage sein, dies zu unterscheiden, wenn nicht, sollte er schleunigst einen entsprechenden Kurs besuchen.

Ebenfalls ersuche ich Sie, Völker die so geschwächt sind, dass sie den Winter nicht überleben werden, rechtzeitig zu entfernen. In diesem Zusammenhang möchte ich noch daran erinnern, dass wenn mehr als 30 Prozent der Völker eines Standes absterben, dies ebenfalls bei der Bezirksverwaltungsbehörde zu melden ist.

Landesgesundheitswart
IM Josef Holzweber