NÖ-IMKERVERBAND

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Das Jahr 2016


Ab Herbst 2015 wenig Völkerverluste, die Winterverluste 2015/2016 lt. Brodschneider , UNI Graz in Österreich ca. 8,2 %. NÖ ca.11 %.
Im Frühjahr 2016 wenig Varroa, ab Juni einzelne stark befallene Völker
Juli und August erste Ausfälle. In einigen Gebieten von NÖ war eine gute Waldtracht, zuerst Große Lecanie, dann bis zur Schlechtwetterperiode im Juli Kleine Lecanie. Nach der Schlechtwetterperiode gab es gebietsweise Melizitosetracht bis Anfang Oktober. Dabei wurde von vielen Imkern die „Schwarzsucht“ bemerkt.
Schwarzsucht ist an und für sich keine Krankheit sondern nur die Bezeichnung für Bienen ohne oder mit schütternem Haarkleid, die dadurch schwarz aussehen.
Die „Schwarzsucht“ kann verschiedene Ursachen haben:
Räuberei, alte Bienen, Waldtracht oder Kürbistracht. In diesen vier Fällen verschwinden die „schwarzen Bienen“ wieder, wenn die Ursache wegfällt. Wenn aber die Bienen verschwinden und die Beute bienenleer ist, ist meist das Chronische Bienenparalyse Virus (CBPV) daran schuld.
Da in der Homepage der AGES nichts über Viren berichtet wird, halte ich es für notwendig, wenigstens in Stichworten darüber zu berichten.

Chronisches Bienenparalyse Virus

Das CBPV schädigt erwachsene Bienen, infizierte Bienen sterben binnen 5-8 Tagen.
Symptome: flugunfähige, vor dem Flugloch krabbelnde, auffällig zitternde Bienen, aufgeblähter Hinterleib, auffälliges Abkoten zum Teil auch im Stock, „Schwarzsucht“, abstehende Flügel, oft auffällig asymmetrisch, im Gemülle herumliegende Bienenflügel, verkürzter Hinterleib (kürzer als die Flügel).
Die Verbreitung des Virus kann auch gänzlich ohne Varroamilbe erfolgen, da der Kot Unmengen an Viruspartikeln enthält. Werden diese von den Putzbienen entfernt, infizieren sie sich und geben diese Viren als Ammenbienen weiter, sofern sie überhaupt diesen Arbeitsbereich erleben.

Flügeldeformationsvirus

Beim DWV kann die Infektion in jedem Entwicklungsstadium (Ei, Larve, Puppe, erwachsene Biene) erfolgen. Die Viruspartikel können entweder durch die Königin direkt über das Ei oder durch infizierte Drohnen über den gespeicherten Samen oder durch Ammenbienen über das Futter an die Larven weitergegeben werden. Bei diesen drei Varianten ist das Symptom der verkrüppelten Flügel nicht sichtbar, ob die Bienen trotzdem eine verkürzte Lebensdauer haben, wurde anscheinend noch nicht eindeutig erforscht.
Wird das DWV allerdings in der Varroamilbe vermehrt und an Puppen weitergegeben, sind die verkrüppelten Flügel zu sehen. Solche Bienen werden von den Arbeiterinnen im Stock nicht geduldet und ähnlich wie bei der Drohnenschlacht aus dem Stock gezerrt. Solche Bienen mit verkrüppelten Flügeln und einem kurzen Hinterleib liegen dann vor dem Flugloch. Sind die verkrüppelten Bienen schon im Stock sichtbar, ist die Abwehr bereits zusammengebrochen und eine Behandlung mit Wirkstoff Ameisensäure gegen die Varroamilbe ist wirkungslos. Ist das Volk noch stark genug, alle Brutwaben entnehmen, Honigraum heruntergeben und mit einem geeigneten und genehmigten anderen Mittel behandeln.
Oft sind die Symptome vermischt, das heißt verkrüppelte Flügel und „Schwarzsucht“. In diesem Fall ist es fast immer besser, das Volk abzutöten, um weitere Ausbreitung zu verhindern.

Da Viruserkrankungen direkt nicht zu bekämpfen sind, kann nur empfohlen werden, den Varroadruck möglichst gering zu halten (DWV) und keine Waben oder Futter von abgestorbenen Bienenvölkern an andere Völker weiterzugeben, egal ob die Waben zugehängt werden oder das Futter durch Räuberei geholt wird.

Völkervermehrung und Königinnenzucht möglichst zur natürlichen Vermehrungszeit (nach der Raps- bzw. Kirschblüte), da zu dieser Zeit die wenigsten infizierten Drohnen unterwegs sind. Außerdem kann ein Ableger, sofern er nicht zur Honiggewinnung verwendet wird, jederzeit gegen Varroa behandelt werden.

Aufgrund der Melizitosetracht werden im Frühjahr vor allem schattige Überwinterungsplätze ein Problem sein. Restentmilbung möglichst in brutfreier Zeit. Da die meisten Völker schwach in den Winter gegangen sind, rechne ich mit hohen Völkerverlusten im kommenden Winter.

Sollte irgendwo Faulbrut auftreten, bitte unbedingt dem Sachverständigen eine vollständige Liste der im Sperrgebiet stehenden Bienenvölker übergeben, da sich am Anfang sicher noch nicht alle Imker registriert haben und gerade Imker, die eine Registrierung für nicht notwendig halten, ein erhöhtes Faulbrutrisiko darstellen.